werde ich oft gefragt: „Sie klingen immer so entspannt, positiv und glücklich. Wie machen Sie das? Sind Sie wirklich nie traurig und unglücklich?„
Oh, das ist eine Frage, da muss ich erst einmal ein wenig nachdenken…. Es freut mich, dass Sie mir das sagen. Denn, wenn ich so klinge, dann bin ich schon ein ganzes Stück dort, wo ich sein möchte. Wissen Sie, mein Leben war nicht immer ganz einfach. Auch, wenn Sie es vielleicht nicht nachvollziehen können, ist es nicht leicht, das verhätschelte kleine Nesthäckchen zu sein. Besonders, wenn man außer den Eltern noch drei ältere Schwestern hat. Das Ergebnis dieser Tatsache kann sein, dass man unselbstständig, feige, jämmerlich, krank und faul wird. In jahrelanger mühevoller Kleinarbeit habe ich mich aus dieser Rolle befreit und bin jetzt das, was ich bin. Glauben Sie mir, der Weg war schwer und schmerzlich. Mein Ziel war es dabei immer, eine glückliche, zufriedene und starke Person zu werden, auf das Wesentliche konzentriert und befreit von allem, was ihr nicht gut tut.
Dieser Weg begann mit dem Auszug in meine erste eigene Wohnung. Der zweite große Schritt folgte dann vor 14 Jahren, als ich die Chance ergriff, 80 Kilometer entfernt von meiner alten Heimat ein neues Leben zu beginnen. Befreit und endlich selbstständig. Das dies der richtige Weg war, beweisen mir die vielen tollen Zeichen, die ich seitdem jeden Tag sehe, erlebe, fühle.
Ich nehme kleine Dinge so wichtig wie möglich und große Dinge so unwichtig wie nötig und lebe sehr gut damit. Mit „kleinen Dingen“ meine ich, alles, was um mich herum ist und mich täglich erfreut. Die Blumen im Garten, die Sonne am Himmel, das Essen auf dem Teller, die Worte und die Gesten vom Michelmann, die Schmettelinge, Vögel, Katzen und Eichhörnchen im Garten die Postkarten im Briefkasten, das Lächeln meiner Nachbarin, das freundliche Wort der Verkäuferin, das Kompliment von meinem Kollegen, der Anruf von der liebsten Freundin… Die Liste ist unendlich lang, denn eigentlich freue ich mich über alles, was toll ist.
Viele „großen Dinge“ nehme ich nicht so wichtig, weil ich das große Glück habe, sie nicht wichtig nehmen zu müssen. Entweder habe ich dafür den Michelmann oder wir beide haben einfach andere Prioritäten. Sie wissen ja bereits: Frau Landgeflüster lässt zum Beispiel einkaufen, also muss ich mich mit diesen unangenehmen Dingen gar nicht erst beschäftigen. Der Michelmann dagegen liebt es, da ergänzen wir uns einfach perfekt. Anderseits können wir auf Dinge verzichten, die anderen Menschen wichtig sind, z.B.Designerklamotten, Rolexuhren und anderen Schickimickikram, und sind wir auch mit einfacheren Dingen zufrieden. Mir ist egal, was andere besitzen und freue mich, wenn sie sich selbst darüber freuen. Neid kennen wir beide nicht und zufrieden mit dem, was wir beide gemeinsam erreicht haben, sind wir auch. Reichsein bedeutet nicht viel Geld zu haben, sondern glücklich und zufrieden zu sein. Gesundheit und ein offenes Herz sind viel mehr wert als alles was man kaufen kann.
Wenn ich die „Liste der zehn häufigsten Dinge, warum sich Paare streiten“ lese, muss ich immer sehr lachen, denn kein Punkt auf dieser Liste hat jemals zu einem Streit zwischen dem Michelmann und Frau Landgeflüster geführt. Wir sagen uns gegenseitig die Meinung, auch mal laut und vielleicht auch mal fies. Aber innerhalb kürzester Zeit, weiß jeder von uns, wenn er zu weit gegangen ist und sich zu entschuldigen hat. Es hat noch nie einer im Streit das Haus verlassen. Und wir sind auch noch nie im Streit schlafen gegangen. Wenn einer von uns für immer gehen muss, soll dies nicht im Streit passieren. Das ist uns beiden unendlich wichtig. Inzwischen ist es sogar meistens so, dass wir schon während der Meinungsverschiedenheit anfangen, gemeinsam darüber zu lachen, gemeinsam einen Kompromiss finden und so den Streit beenden.
Glücklich machen mich die vielen kleine Dinge, mit denen wir uns immer wieder gegenseitig erfreuen. Unser gemeinsames Reden, Lachen, Singen, Blödsinn machen, unsere kleinen Liebesbriefchen – oft nur ein Satz auf der Tafel – und unsere Einfach-weil-ich-Dich-lieb-hab-Geschenke -kleine Aufmerksamkeiten, aber auch große Geschenke. Immer unerwartet und überraschend. Manchmal so überraschend (und jetzt verrate ich Ihnen noch ein dunkles Geheimnis von mir!), das mir vor Schreck Freude die Tränen kommen. Nicht, wenn ich dem Michelmann etwas schenke, sondern wenn er mich überrascht.
Ich brauche Ihnen jetzt nicht verraten, dass es viele Dinge gibt, die mich wütend, traurig und unglücklich machen. Ungerechtigkeiten, Hass, Kriege, Kummer, Leid, Krankheit und Tod in meiner Umgebung, in Deutschland, in der Welt, überall. In solchen Momenten überkommt mich eine unbeschreibliche Dankbarkeit für das, was ich habe und was ich bin. Ich weiß, dass ich unheimlich viel Glück hatte, im richtigen Moment am richtigen Ort gewesen zu sein (Sie wissen schon, die Tiefkühltruhe!) Glauben Sie mir, das ist mir wirklich bewusst und glauben Sie mir bitte auch, dass ich es nicht für selbstverständlich nehme. Vor einiger Zeit habe ich Ihnen schon einmal berichtet, dass ich mich jeden Abend vor dem Einschlafen für die drei schönsten Dinge des Tages bedanke. Damit mache ich mir mein Glück täglich bewusst. Und glauben Sie, auch ich habe Tage, an denen es mir nicht so toll geht (das haben Sie hier ja auch schon gelesen), aber es gibt trotzdem jeden Tag drei Dinge, für die ich mich bedanken kann. Kein Tag konnte bisher so schlecht sein, dass ich mich nicht über irgendetwas freuen konnte. Und wenn es nur ein Stückchen Papier oder etwas zu essen ist. Ich bete dafür, dass es immer so bleibt. Natürlich ist es mir auch wichtig, dass sich andere über mich freuen und deshalb versuche ich, immer aufmerksam und wach durch das Leben zu stiefeln. Denn, was Du willst, das man Dir tut, das füge auch den anderen zu. Oder so ähnlich.
Das alles, was ich gerade aufgelistet habe, ist auch das, worüber ich hier in meinem Blog schreibe. Alles nichts Großartiges oder Aufregendes. Es ist aber das, was mir am Herzen liegt und mein Leben ausmacht. Ich flüstere es hier in die Bloggerwelt und hoffe, dass es nicht die falschen Menschen lesen und erzähle Ihnen außerdem von meinem Leben in unserem Dorfe. Damit wissen Sie jetzt auch, warum mein Blog „Landgeflüster, mein Leben auf dem Lande, der Michelmann und ich“ heißt. Und wenn Sie finden, dass ich mich positiv und glücklich anhöre, freut mich das sehr und Sie wissen ja jetzt auch warum.
(Und danke, dass Sie mir immer so nette Fragen stellen und so schön „zuhören“ und fleißig antworten. Auch das macht mich glücklich. Sie glauben gar nicht, wie wichtig Sie mir inzwischen geworden sind. Und wie sehr ich mich freue, genau das wenigstens einem Teil von Ihnen persönlich im Sommer sagen zu können.)

19 comments
Comments feed for this article
Januar 30, 2009 um 18:43
Brassica oleracea convar
Liebe Frau Landgeflüster.
schöner und besser hätte man es nicht (be)schreiben können.
liebe Grüße
Januar 30, 2009 um 19:49
april
Wow, einer der tollsten Beiträge, die ich je gelesen habe. Ein ganzes Stück Lebenskunst, vieles, von dem man was lernen kann. Sicher finden manche, dass das naiv klingt (dein Beitrag und mein Kommentar), aber ich bin der festen Überzeugung, dass nur SO die Welt verbessert werden kann: bei sich selbst anfangen und Positives ausstrahlen.
Januar 30, 2009 um 19:58
Lebenskunst « April Showers
[...] wie möglich und große Dinge so unwichtig wie nötig”. Dieser wunderbare Spruch wird bei Frau Landgeflüster näher [...]
Januar 30, 2009 um 20:28
Berliner Luft und Ostseewelle/ Carola
Das hast Du sehr schön geschrieben. Dankeschön! Und ich denke, genau diese kleinen Dinge machen das Leben lebenswert.
Januar 30, 2009 um 20:52
Kerstin
Liebe Eva, ich bin irgendwie gerade ganz gerührt. Ich stelle mir dich gerade vor wie du vor deinem Rechner sitzt und in Worte fasst, was in der vor geht. Wie du versuchst, und das Geheimnis zu lüften. Und ich muß
schreiben– es ist dir ganz wunderbar gelungen.Ich sehe auch einige Parallelen zu meinem bzw. unserem Leben hier – auch ich kann mich wunderbar über kleine Dinge freuen und bin sehr dankbar, dass es so ist. Auch mein Hobbykoch und ich sind noch nie im Streit schlafen gegangen und Übernachtungen auf der Couch hat´s in nunmehr 17 1/2 Jahren Ehe nie gegeben. Wegrennen wegen einem Streit? Nein, auch das kenne ich nicht. Harmoniesucht – das ist vielleicht ein Wort, was unser gemeinsames Leben beschreibt… wobei man natürlich über alle Dinge reden sollte, die nicht so laufen, wie sie sollten. Ich finde es wunderbar, wie ihr Zwei eure Beziehung führt und wie du hier auf deinem Blog damit umgehst – es ist mir täglich eine Freude, bei dir stöbern zu gehen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei dir für die Zeit bedanken, die du dir nimmst, um uns ein wenig an deine/eurem Leben teilhaben zu lassen.
Und nun wünsche ich dem Michelmann und dir ein wunderschönes Wochenende, sei ganz lieb gegrüßt,
Kerstin
Januar 31, 2009 um 0:04
elana
Danke, lieben lieben Dank, Frau Landgeflüster!
Diese zauberhaften und lehrreichen Worte nehme ich jetzt mit ins Bett und froh sein, dass ich sie eben noch hier gefunden habe.
Du schreibst wundervoll – und ihr lebt wundervoll.
Liebe Grüße und eine gute Nacht euch beiden
Elana
Januar 31, 2009 um 8:16
amandajanus
das gefällt mir natürlich. Schön geschrieben Frau Landgeflüster und weise auch noch udn es erinnert mich an mich…..
merci
mandy
Januar 31, 2009 um 9:19
Wortman
wunderbar geschrieben. und wer es „teilweise naiv“ findet, wie april vermutet, hat schon mal die falsche lebenseinstellung.
herrlich ausgedrückt.
zufrieden sein mit dem was man hat, ist doch das beste was einem passieren kann. ich seh es ja im bekanntenkreis, wenn man sich kaputt macht, weil der zwang, alles schöner, besser, teurer, größer zu haben als die anderen, einen völlig kaputt macht. worauf sollte sich so eion mensch denn wirklich freuen?
wie heißt es so schön? es gibt immer jemanden, der besser ist als man selbst. also: dann lass ihn besser sein und wir nehmen kleine Dinge so wichtig wie möglich und große Dinge so unwichtig wie nötig
liebes geflüster (klingt irgendwie aber jetzt also und so *g*), wem deine einträge nicht gefallen, der bleibt eben weg und der rest wird sicherlich nach diesem beitrag öfters lesen kommen
Januar 31, 2009 um 10:14
Suse
Ach, Frau Landgeflüster.
Ihre Worte gemeinsam mit dem hier strahlenden Sonnenschein wärmen mir das Herz.
Vielen Dank für Ihre Offenheit.
„Wir nehmen kleine Dinge so wichtig wie möglich und große Dinge so unwichtig wie nötig.“
Das ist einfach schön. Da bin ich noch nicht. Aber das ist ein schönes Ziel. Und da ist der Weg das Ziel. Man kann es auf dem Weg lernen.
Morgendliche Grüße
Suse
Januar 31, 2009 um 10:50
wildgans
frau april hat mich hergeführt.
einfach nur DANKE.
Januar 31, 2009 um 11:15
Iris
Schön, zu lesen, dass es Dir so gut geht! Möge es immer so bleiben!
Danke für die lieben Wünsche und das Daumendrücken. Nicht dass es wirklich wichtig wäre, aber schlecht wäre es auch nicht
Ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende,
Liebe Grüße, Iris
Januar 31, 2009 um 11:34
Suse
Und weil die kleinen Dinge Freude machen, bin ich jetzt mal so frei und hinterlasse hier die Nachricht, dass ich auf meinem Blog eine Rätselaufgabe mit Gewinn gestellt habe.
http://verkreuztundquer.blogspot.com/
Der Gewinn ist eine Kleinigkeit. Und eigentlich geht es um den Spaß.
Ich hoffe, dass das für Sie in Ordnung geht, Frau Landgeflüster.
Bitte rätseln Sie gerne mit.
Januar 31, 2009 um 13:24
Gina
Schön. Einfach schön.
Ich wünsche Dir… Nein, ich tu’s nicht. Wünsche gehen nur in Erfüllung, wenn man sie wünscht, aber nicht ausspricht.
(Hey, ohne Schmarrn: Gerade in diesem Moment kommt die Sonne raus!!! Nach Tagen im Nebel und bei saukaltem Ostwind. Mei, is des scheee…)
Gina
Januar 31, 2009 um 14:04
Gartenliesel
Liebe Frau Landgeflüster,
… und das sind genau die Gründe, warum ich immer gerne bei Ihnen lese!
Vielen Dank dafür.
Liebe Grüße Gartenliesel
Februar 2, 2009 um 13:02
Katrin
Liebe Frau Landgeflüster,
.
DANKE für diesen wunderschönen, zum Nachdenken anregenden Beitrag.
Im Streit einzuschlafen oder aus dem Haus zu gehen ist auch eine meiner schlimmsten Vorstellungen und kommt bei uns auch nicht vor.
Ihren Satz, kleine Dinge so wichtig wie möglich und große Dinge so wichtig wie nötig zu nehmen, habe ich mir herausgeschrieben und auf meinen Bildschirm geklebt
Und zu guter letzt noch ein Spruch, den ich mal zugemailt bekommen habe, für Sie ( auch auf meinem Schreibtisch deutlich zu sehen):
Vergiss nie, dass das Leben kurz ist,
also breche keine Regeln,
vergebe schnell,
küsse bedächtig,
liebe ehrlich,
lache oft
und lass niemals zu, dass Du das Lachen
verlernst.
Eine gute Woche, ohne Erkältung, wünscht
Katrin
Februar 3, 2009 um 16:01
Edith
Ach was man alles beim Bloggen findet, nun habe auch ich die Frau Landgeflüster gefunden, warum eigentlich erst jezt? Gedanken hab ich da gefunden, die mich sehr angesprochen haben, weil jemand den Mut hat, einfach seine Gedanken auszudrücken, die gegen den Strom stehen, danke.
Da kann ich miteinstimmen und jede dieser Lebenseinstellungen bejahen. Wie ich lese gibt es noch meh davon als man vermutet. Wenn sich andere so
wichtig vorkommen, dann stimme ich gerne den Refrain eines Liedes an, wo es heißt: Du bist gewollt kein Kind des Zufalls keine Laune der Natur, ganz egal ob du dein Lebenslied in moll singst oder dur. Du bist ein Gedanke Gottes ein genialer noch dazu, du bist du, das ist der Clou, du bist du, ja du bist du. Vielleicht ist es ja sogar bekannt.
Gute Besserung wünsche ich, ich mach auch noch an den gleichen Symtomen rum, geht aber aufwärts.
Liebe Grüße
von Edith
Februar 3, 2009 um 17:29
landgefluester
Danke Ihnen allen. ♥
Februar 3, 2009 um 17:30
Wortman
Immer gern geschehen, liebes Geflüster.
Februar 3, 2009 um 18:35
ulileo
Mich hat auch Frau April hierhergeführt und ich muss sagen, da hat sie mir ein Geschenk gemacht. Ich habe selten sowas Schönes, Innigliches gelesen und sage ganz, ganz herzlichen Dank! Ich nehme ganz viel hier mit und ziehe Kraft daraus!