Heute hatte es Frau Landgeflüster wirklich schwer. Sie wissen ja bereits, wie ungern sie einkauft. Doch heute musste es einfach sein, weil der Einkaufsmensch unserer kleinen Familie keine Zeit hatte. Ich brauche unbedingt zwei Zutaten und zwar eine Bio-Zitrone (weil ich die mit der Schale verarbeiten möchte) und feinen Zucker. Normalerweise kein Problem, denkt sich die unwissende Hausfrau. So aber nicht in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes.

Frau Landgeflüster steuert nach der Arbeit mit ihrem Smartie den ersten Supermarkt an, betritt ihn und geht nach kurzer Zeit unverrichteter Dinge wieder hinaus. Auf den feinen Zucker hätte sie ja noch verzichtet, aber auch von Bio-Zitrone weit und breit nichts zu sehen. Überhaupt ist die ganze Bio-Abteilung aufgelöst. Also zum nächsten schäbigen Laden. Dort gab es weder das eine noch das andere. Gut, dass es auf der Strecke in unser Dorf noch einen weiteren Supermarkt gibt. Dort konnte ich dann immerhin ein Netz mit drei Bio-Zitronen erstehen. Bio-Zitronen kann man ja nie genung haben. Zucker gab es nur den normalen, aber das ist ja besser als nichts. Ich hätte es natürlich darauf ankommen lassen und bei Tante Emma in unserem Dorfe vorbeifahren können, aber da ist die Wahrscheinlichkeit eine Bio-Zitrone oder feinen Zucker zu bekommen nachvollziehbarerweise noch geringer.

Zuhause angekommen, konnte ich hören und sehen, dass das Haus nebenan, in dem früher Tante Emma wohnte, kräftig renoviert wird. Oh, wie spannend. Haben wir doch am Wochenende erst die neuen Nachbarn dahinter kennengelernt. Und jetzt auch in diesem Haus neue Nachbarn. Gemeinsam mit dem Michelmann habe ich überlegt, was da wohl hinein kommt. Ein Geschäft oder ein umgebautes Wohnhaus. Der Michelmann meinte, dass dort bestimmt ein stinkender Dönerladen oder ein Tatoo- und Piercingshop einzieht. Na, toll. Ich wäre für eine Apotheke oder etwas anderes Seriöses. Glücklicherweise fiel dem Michelmann noch ein, dass er für seine Dillsauce Sahne braucht. Also ist Frau Landgeflüster zu Tante Emma gestiefelt, um zu klären, wer denn nun in den Laden nebenan einzieht die Sahne zu kaufen. Das Beste an Tante Emma-Läden ist nämlich, dass es dort garantiert jemanden gibt, der genau im Dorf Bescheid weiß. Und so habe ich erfahren, dass dort eine Zahnarztpraxis hineinkommt. Hahaha, wie lustig, bin ich doch die weltgrößte Zahnarztschisserin überhaupt. Wie werde ich mich über die Schreie und die Bohrgeräusche freuen, die aus der Praxis hinüberschallen werden. Aber ich bin doch sehr zufrieden, dass dort eine Praxis einzieht und kein stinkender Imbiss. Die beiden Häuser stehen glücklicherweise so weit auseinander, dass wir von den Leiden der Patienten bestimmt nichts mitbekommen werden. Und wenn doch, reiße ich meine Mamma Mia-CD auf und singe: „The winner takes it all…“