Manchmal bekommt man so richtig schöne Geschenke oder man gönnt sich selbst etwas Nettes. Früher hat Frau Landgeflüster sich diese Dinge öfter für besondere Anlässe zur Seite gelegt oder nur ganz sparsam verwendet, weil es so kostbar, teuer, zu schade oder sonst was war. Das machte sie solange, bis sie auf eine kleine Geschichte stieß, deren Quelle sie leider nicht mehr kennt. Sollte sich der Erfinder dieses Textes finden, möge er sich bitte melden. Ich möchte mich nicht mit falschen Federn schmücken. Aber ich möchte Ihnen diese Geschichte gern zeigen. Ich habe sie eben nämlich ganz zufällig beim Aufräumen gefunden. Vielleicht macht sie auch Ihnen bewusst, dass es immer besser ist, jeden Tag als Besonderen zu sehen, der es verdient, mit schönen Dingen geschmückt zu werden und auch Träume und Wünsche nicht auf die lange Bank zu schieben. Und die Geschichte geht so:

Ein Mann öffnet die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holt ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus. Es ist nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen mit Unterwäsche darin. Er wirft das Papier weg und betrachtet die Seide und die Spitze. „Das habe ich ihr gekauft, als wir zum ersten Mal in New York waren. Das ist jetzt acht oder neun Jahre her. Sie hat sie nie getragen, sie wollte es für eine besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist diese besondere Gelegenheit gekommen.“ Er nähert sich dem Bett und legt die Unterwäsche zu den anderen Sachen, die das Bestattungsinstitut abholen wird. Seine Frau ist gestern gestorben.

Soweit die Geschichte. Machen Sie was daraus.