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Wissen Sie, was mir in Zeiten, in denen es mir vielleicht nicht so gut geht, immer ganz gut hilft? Ich versuche mich auf andere Dinge zu konzentrieren als auf das Doofe, was mich vielleicht gerade so nervt. Als ich gestern darüber schrieb, wie sehr ich mich freue, meine warmen Lieblingsklamotten anziehen zu dürfen, habe ich das wirklich furchtbare Wetter, das uns bestimmt auch in diesem Jahr wieder quälen wird, natürlich komplett ausgeblendet.

Leider ist es aber so, dass es gar nicht so einfach ist, das Wetter zu ignorieren. Klar igelt sich Frau Landgeflüster in diesen Zeiten so gut wie möglich zuhause ein. Und genießt ihren Tee am Kamin bei guter Musik/Film/Buch und was auch immer. Aber es gibt auch im Leben von Frau Landgeflüster einen Mann, von dem sie abhängig ist. Dieser Mann sorgt dafür, dass sie ganz viel und oft von dem schlechten Wetter geärgert werden wird. Ich meine jetzt nicht den Michelmann, nein, ich meine meinen Chef. Leider lebe ich nicht in dem Luxus, meinem Chef mitteilen zu können, wann es mir beliebt zur Arbeit zu kommen. Ob nur bei gutem oder nur bei schlechtem Wetter. Nein, das schreibt er mir vor. Schade, ist aber so. Blöd, denn so kann ich nicht einfach tagelang alle Gardinen zuiehen und nur bei Sonnenschein das Haus verlassen.

Also muss sich Frau Landgeflüster überlegen, wie sie einer möglichen Herbstundwinterwetterdepression entgegenwirkt. Und da Frau Landgeflüster ja öfter Blödsinn schreibt, Therapien entwickelt (die zum Beispiel oder die), wird sie sich selbst therapieren mit dem Ziel, immun gegen depressive Gefühle zu werden. Also keine negativen Stimmungen im Herbst und Winter. Auch nicht bei  ununterbrochenen elf Wochen im Regensturm bei 2 ° C. Ganz schön anspruchsvoll mein Therapieziel, oder?

Frau Landgeflüster wäre nicht Frau Landgeflüster, wenn sie ihre Therapie still und heimlich in ihren eigenen vier Wänden durchführen würde. Nein, sie macht es selbstverständlich öffentlich. “Warum denn das nun wieder. Reicht es nicht, wenn Sie uns mit ihrer Fasterei langweilen?”, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Und Frau Landgeflüster wird milde lächeln und ruhig und geduldig antworten: “Meine Damen, gestern las ich in Ihren Kommentaren zwischen den Zeilen deutliche Hinweise auf eine Herbstundwinterwetterdepressionsgefährdung! Also tun Sie jetzt bitte nicht so verwundert oder genervt. Denken Sie doch an die MMV! Auch eine Herbstundwinterwetterdepression beginnt schneller als Sie denken.”

Wie ich überhaupt auf diesen Eintrag heute komme? Als ich vorhin nach Hause kam und im leichten Regen meinen täglichen Spaziergang durch den Garten machte, fiel mir auf, dass ich mich zu keiner Zeit im Jahr mehr über Blüten freue als im Herbst oder Winter. Diese unbeschreibliche Freude, wenn ich sehe, dass es die ein oder andere Rose noch schafft, im Oktober oder manchmal sogar noch im November eine neue Blüte zu bilden. Die Helleborus, die von  November bis Februar blühen, treiben mir Tränen der Rührung in die Augen. Schon als Kind bin ich ab Januar jeden Tag in den Garten meiner Eltern gelaufen und habe Ausschau nach Schneeglöckchen und Winterlingen gehalten. Habe mir eine Karte gezeichnet und für jede neue Blüte ein Kreuz hineingemalt. Klar freue ich mich auch im Sommer über meinen blühenden Garten. Doch im Winter schafft es eine einzelne kleine Blüte, mein Herz zu erfreuen und Licht in die trübe Zeit zu bringen. Je länger der Winter dauern und je ungemütlicher das Wetter sein wird, um so mehr werde ich mich über die erste Blüte freuen. Das ist doch großartig! Es gibt bestimmt noch viele ähnliche Dinge, die mich das schlechte Wetter vergessen lassen werden. Da bin ich mir ganz sicher. Diese Erkenntnis und die Lust auf die Entdeckung dieser Kleinigkeiten, machen mir Hoffnung, dass die Depression auch in diesem Jahr an mir vorbeigehen wird.

Unterstützt werde ich übrigens bei dieser Therapie selbstverständlich wieder, Sie ahnen es, von Frau Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Dipl.-Psych. Landgeflüster.

Wissen Sie, warum ich den Herbst und auch den Winter so liebe?

Ja, klar, Sie haben Recht, wenn Sie jetzt die großartigen Dinge wie Kamin, Tee, Kerzen, Trinkschokolade und die anderen Nettigkeiten aufzählen. Es gibt aber noch mehr, was ich toll am Herbst finde. Die warmen Anziehsachen. Ich trage zum Beispiel gern Röcke und Kleider, aber kaum im Sommer. Nein, viel lieber im Herbst und Winter. Mit schönen Strumpfhosen und Stiefeln. Ich liebe Schals, Stulpen und Handstulpen. Meine Steppwesten und meine warmen Strickjacken. Klamottentechnisch habe ich so gar nichts gegen Herbst und Winter. Deshalb finde ich es auch gar nicht so schlimm, wenn er dann wirklich da ist, der Herbst. Warm eingepackt durch den leuchtenden Wald spazieren. Kalte, klare Luft, Nebel. Kastanien als Handschmeichler. Das Rascheln von Laub. Den Wind um die Ohren. Später das Knirschen des Schnees.

“Ja, Frau Landgeflüster”, werden Sie jetzt vielleicht sagen: “Bei Sonne sind die kalten Jahreszeiten auch gar so wunderschön anzusehen. Aber was, wenn es wochenlang grau, nass und ekelig ist?” Keine schöne Vorstellung, da haben Sie Recht. Aber Sie wissen ja, es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung. Dann kommen mein regensturmfester Parka, die klobigen Boots, warme Rollkragenpullover und Mützen zum Einsatz, ohne Rücksicht auf weibliche Eleganz und Chic. Ich darf das, ich wohne hier auf dem Lande, da falle ich nicht auf.

Soweit die klamottentechnische Theorie. Ob und wie Frau Landgeflüster es schafft, ihre gute Laune auch dann nicht zu verlieren, wenn das Wetter demnächst wochenlang ungemütlich und trübe ist, demnächst hier. Auf diesem Blog. Schalten Sie ein.

Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen.

~Guy de Maupassant~

 

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