Der Tod gehört zum Leben dazu, heißt es. Klar, so ist es auch und täglich lese ich in der Zeitung darüber. Unfallberichte mit Todesfolgen, Verbrechen, Todesanzeigen oder Berichte über prominente Verstorbene. Dennoch mache ich mir immer Gedanken über die Person, die hinter der Todesmeldung steckt. Besonders betroffen bin ich, wenn Menschen ganz jung oder tragisch sterben, egal, ob sie mir persönlich bekannt sind oder nicht. Noch viel, viel mehr erschüttert mich die Todesnachricht, wenn dieser Mensch für sich keinen anderen Ausweg mehr sah, als sich selbst das Leben zu nehmen. Wie verzweifelt muss dieser Mensch gewesen sein? Wie furchtbar muss es nun für die Angehörigen und Freunde sein, aber auch für die Kollegen, Vorgesetzte und anderen Menschen, die vorher noch Kontakt mit der verstorbenen Person hatten? Mein Mitgefühl gilt Frau Enke mit ihrer kleinen Tochter und den anderen Angehörigen. Genauso aber denke ich die ganze Zeit an die beiden Zugführer und die Rettungskräfte, die unfairerweise in diese Tragödie hineingezogen wurden. Ich bin der Meinung, jeder Mensch ist ab eines gewissen Alters für sein Leben selbst verantwortlich und hat somit auch das Recht, sein Leben selbst zu beenden. Kein Verständnis habe ich allerdings dafür, wenn bei dieser Entscheidung andere zu Opfern werden. Kein Mensch hat das Recht das Leben eines anderes zu zerstören und wer meint, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, der soll diese Tat auch allein umsetzen und nicht andere hinzuziehen. Ich wünsche allen Beteiligten viel Kraft, dass Geschehene zu verarbeiten und wünsche mir von tiefsten Herzen, dass die beiden Zugführer ganz viel Unterstützung und professionelle Hilfe erfahren, damit ihr eigenes Leben lebenswert bleibt.
Nachtrag: es ist schon bemerkenswert, mit welchem Geschick der Radiosender heute morgen die Nachricht behandelte. Morgens nach dem Aufwachen hörten wir eine Meldung über den Tod von Herrn Enke, danach wurde ein Lied von Laid Back gespielt, in der die Liedzeile „Nighttrain is coming…“ vorkommt. Dann folgten weitere Worte über das Geschehene, bevor das Lied „So soll es bleiben“ von Ich&ich kam, das mit den Worten „Ich warte schon so lange auf den einen Moment“ beginnt. Blöder Zufall. Richtig doof aber fand ich, dass auch das Lied „I just died in your arms tonight“ von Cutting Crew gespielt wurde. Das finde ich wirklich daneben!

26 comments
Comments feed for this article
November 11, 2009 um 12:55
fabs
Ich stimme dir da voll und ganz zu!
Zuerst einmal hat mich die Nachricht, dass Robert Enke tot sei gestern Abend total erschüttert. Danach kam schnell die Information, dass er sich das Leben genommen hat.
Ich glaube auch, dass es ganz schlimm für seine Familie und im besonderen für seine Frau mit dem noch so kleinen Kind sein wird. Ihnen allen gebührt mein Mitgefühl.
Besonders tragisch finde ich es auch, dass die Lokführer jetzt ein sehr unschönes Schicksal zu tragen haben.
Ich kann mir nicht vorstellen, was in einem Menschen vorgehen muss, solch eine endgültige Entscheidung zu treffen, doch ich finde es richtig schlimm Unbeteiligte darin zu involvieren.
Zu deinem Nachtrag kann ich nur sagen, dass ich die Liedauswahl des Radiosenders auch als völlig geschmacklos empfinde. Anscheindend haben sie die Lieder schon voher per PC programmiert und sie dann ohne zu bedenken was sie soeben für eine Nachricht verbreitet haben abgespielt. Echt daneben.
Viele Grüße und danke für den tollen Beitrag!!
Fabs
November 11, 2009 um 17:49
Frau Landgefluester
Hallo Fabs,
herzlich Willkommen im Landgeflüster. Ich denke auch, dass der Sender die Titel vorprogrammiert hatte und sie einfach aus Gedankenlosigkeit nicht geändert hat.
Liebe Grüße.
November 11, 2009 um 12:58
Kerstin
Ich glaube, diese Nachricht hat heute morgen ganz Deutschland erschüttert und auch bei uns war es Thema. Genau wie du es schreibst, finde ich es natürlich schrecklich und mir tun die Angehörigen wahnsinnig leid und ich wünsche ihnen ganz viel Kraft, die nächste Zeit durchzustehen. Es muß unglaublich schwer sein.
Und auch mein vollstes Mitgefühlt gilt den beiden Zugführern, deren Leben durch das Geschehene einen riesigen Knacks bekommen hat – unfair. Nicht nachgedacht. Aber zu spät. Und nicht mehr rückgängig zu machen. Insofern kann ich deine Worte nur unterschreiben, denn sie decken sich mit jedem Wort mit meinen Gedanken.
Schlimm!
November 11, 2009 um 13:07
soulsilence
Da hast Du genau meine Gedanken dazu beschrieben.
Mich hat das gestern Abend sehr getroffen, ich hab seinen Weg schon länger ein bisschen mitverfolgt. Wie tief alle Schicksalsschläge, die seine Familie erlebt hat, seine Seele wirklich verletzt haben, kann man jetzt wohl nur erahnen.
(Und das mit der Musikauwahl ist wirklich geschmacklos.)
November 11, 2009 um 13:10
Britta
Bei Deinen Worten kann ich nur zustimmend nicken.
Gerade wenn sich solch junge Leute umbringen denke ich immer, dass ihre Welt in ein paar wenigen Monaten / Jahren vielleicht schon wieder anders ausgesehen hätte. Lohnt es sich, dafür so ein wertvolles Leben aufzugeben?
Die Tochter meiner Stiefmutter hat vor anderthalben Jahren den gleichen Weg gewählt wie Herr Enke – und bis heute weiß keiner, warum. Es gab keine sicht- / bemerkbaren Anzeichen, keine letzten Worte, keine Erklärung.
Neben all dem Schmerz und der Trauer bleibt vor allem ihrer Mutter das Gefühl des Versagens und der Schuld (obwohl sie ein gutes Verhältnis zueinander haben). Der Lokführer war lange nichts arbeitsfähig und wird diese Nacht wohl nie vergessen.
Und das finde ich einfach nicht fair!
November 11, 2009 um 15:48
april
Das ist wirklich sehr tragisch, bei vielen anderen Unbekannten aber auch, die nie genannt werden und nicht bekannt sind. Er hat sicher nicht überlegt, dass er nicht nur sein Leben beendet, sondern auch dass seiner Familie schädigt und sogar noch das von völlig Unschuldigen, Unbeteiligten.
Früher war mal ein Brief von einer Schwangeren im Internet, die so etwas hatte mitansehen müssen und die schwere Vorwürfe erhob – zu Recht, wie ich finde. Ich brauch auch nur an eine Bekannte zu denken, die mitgekriegt hat, wie einer vor die Straßenbahn gesprungen ist. Gesehen hat sie ihn dann nicht mehr, aber diese Bewegung verfolgt sie immer noch …
November 11, 2009 um 15:49
Tine
Depressionen sind eben nicht heilbar, wie ein frisch eingefangene Erkältung. Die Menschen, die darunter leiden, können die Symptome, die sich hinter der Krankheit verbergen, oft sehr geschickt verbergen und manchmal machen sie sich sogar selbst etwas vor. Ich mußte leider diesen Tatsachen auch bei meiner Lieblingskollegin ins Auge blicken und es fällt mir unsagbar schwer. Es fällt mir schwer, weil es sich mir entzieht, wie die Leute denken und fühlen und was sie als nächstes planen…Ich bin sogar der Meinung, daß viele Entschlüsse sehr spontan getroffen werden, wenn kein Ausweg mehr gesehen wird.
(Heute stand in unserer Zeitung, daß eine Tierärztin sich in Magdeburg das Leben nahm (42), weil sie den Tod des 67jährigen Ehemannes vor wenigen Wochen nicht verkraftet hat. Mit ihr mußte ihre 4jährige Tochter sterben! Dazu fehlen mir dann gänzlich die Worte!)
Vor ein paar Jahren hatte ich mal einen Bericht über einen Lokführer gesehen, der 4 oder 5 Suizide miterlebt hat. Dieser Mann war gebrochen, er war ein echtes Wrack. Das tat mir damals so unendlich leid für diesen Menschen, weil er einfach nur seinen Dienst verrichtet hat. Er litt unsaglich und wurde schlussendlich arbeitsunfähig! Ich denke, diese traumatischen Erlebnisse kann auch kein Psychologe endgültig kitten…
November 11, 2009 um 15:57
Gina
Ich bin so frei und verweise an dieser Stelle auf das, was ich in meinem eigenen Blog zum Thema geschrieben habe – sicher seiend, dass Frau Landgeflüster es mir nicht übel nehmen wird…
http://ginasradweg.wordpress.com/2009/11/11/fragen-und-antworten/
Interessant ist, dass viele Menschen dann doch ähnlich denken: Warum muss ein Mensch, nur weil er nicht mehr leben will, viele andere Menschen (es würde schon einer genügen) ins Unglück stürzen? Aber daran denkt man wohl zu diesem Zeitpunkt nicht. Schade. So wird Trauer zu Verständnislosigkeit, Wut, oft genug Hass.
November 11, 2009 um 17:50
Frau Landgefluester
Liebe Gina, nein, im Gegenteil. Danke für den Link, Deine Gedanken dazu finde ich sehr interessant. Alles Liebe für Dich.
November 11, 2009 um 17:22
Frische Brise
Hm, ich verstehe gerade nicht ganz, wieso das nun plötzlich in allen Medien ist.
Ich kannte diesen Mann gar nicht (bin kein Fußballfan).
Wenn man öfters mit der Bahn unterwegs ist oder war, wie mein Mann, ist es schon erschreckend, wie oft der Bahnverkehr „wegen eines Personenschadens“ zum Erliegen kommt.
Schlimm fand ich, daß die Witwe heute eine Pressekonferenz geben mußte.
Warum?
November 11, 2009 um 18:03
Frau Landgefluester
Warum es in den Medien ist?
Weil er als Nationaltorwart eben doch sehr, sehr vielen Menschen bekannt ist. Und weil sein Tod so tragisch ist. Ich finde es auch erschreckend wie viele Menschen sich vor Züge, Straßenbahnen oder U-Bahnen werfen. Auch im Großraum Frankfurt passiert es auch ganz oft, mein Schwager hat dadurch oft Probleme nach Hause zu kommen.
Ich denke, es war Frau Enke ein Bedürfnis der Öffentlichkeit mitzuteilen, welche Hintergründe der Tod ihres Mannes wirklich hatte. Sicherlich stand sie auch unter Beruhigungsmittel und hat vielleicht einfach gemacht, was ihr geraten wurde.
Mir selbst hätte eine kurze Nachricht gereicht. Das was jetzt in den Medien passiert, ist wohl leider das Ergebnis der Entwicklung unserer Gesellschaft. Gestern war es die vollkommen überflüssige und schädliche Panikmache und Berichterstattung zur Schweinegrippe (warum bekommt diese Krankheit nicht endlich einen zivilen Namen???) und heute ist es der Tod des H. Enkes.
Ich verabscheue das total. Wenn ich jetzt höre, dass das ZetDeEff eine Sondersendung macht und jeder Hinz und Kunz, der einmal ein Wort mit H. Enke gewechselt hat, meint irgendwie und irgendwo die Gründe und Ursachen analysieren zu müssen, könnte ich kotzen. Ich hasse das total und trauere der Zeit nach, in dem Selbstmorde aus den Medien rausgehalten wurden, um Nachahmung zu verhindern.
Mein Eintrag war mir wichtig, weil ich einfach an die beiden Zugführer erinnern wollte, die bei allen Berichten meist vergessen wurden.
Nachdem ich auf dem Nachhauseweg von der Arbeit gehört habe, dass Herr Enke so lange schon krank ist, denke ich darüber nach, ob ich zu hart mit ihm zu Gericht gegangen bin. Vielleicht war er so krank, dass er nicht begreifen konnte, was er den Zugführern damit antut. Es tut mir leid.
November 11, 2009 um 18:56
Renate
Liebe Frau Landgeflüster, ich kann deine Meinung irgendwie verstehen. Aber ein Mensch, der sich auf so eine Art das Leben nimmt, der denkt nicht mehr daran, was andere denken und fühlen. Ich meinem nahen Bekanntenkreis gab es vor Jahren einen ähnlichen Selbstmord. Eine junge Frau, 25, gerade das Studium abgeschlossen, hat sich auch vor einen Zug geworfen. Wenige Wochen zuvor habe ich noch mit ihr gesprochen, war mehrere Tage mit ihr zusammen. Ich habe nichts gemerkt. Nur einige Tage vor ihrem Freitod hat sie mir eine Postkarte geschickt, mit wenigen Worten darauf. Da wusste ich, dass es ihr nicht gut geht. Aber dass es ihr so schlecht geht, habe ich nicht geahnt. Keiner in ihrem Umfeld hat es geahnt.
Vor zwei Jahren hat sich die Tochter einer lieben Freundin auf dieselbe Art vom Leben verabschiedet. Sie war 16.
Ein Mensch, der sich das Leben nimmt, ist so verzweifelt, so auswegslos, muss sich so unendlich einsam und verlassen fühlen, dass ihm mein allergrößtes Mitgefühl gehört. Und ich hoffe, dass er da, wo er jetzt ist, seinen Frieden finden konnte.
Nachdenklicher Gruß von Renate
November 11, 2009 um 19:08
Frau Landgeflüster
Liebe Renate,
danke für Deinen Kommentar. Ich schließe mich Deinen Worten uneingeschränkt ein. Als ich meinen heutigen Eintrag schrieb, wusste ich auch nicht, wie krank er war. Deshalb auch noch der lange Kommentar über Deinem.
Liebe Grüße.
November 11, 2009 um 19:06
Gina
Ich habe gehört (von Psychologen, nicht aus den Medien
), dass sich potenzielle Selbstmörder extrem in ihr Vorhaben hineinsteigern. Das nimmt dann in ihrem Denken so viel Raum ein, dass sie nicht mehr wirklich am realen Leben teilhaben. Sie sind praktisch „schon weg“, auch wenn sie noch tagelang mit uns zusammen sind. Ich habe das bei Katrin erlebt… In dieser Zeit oder auch schon lange davor werden ausgefeilte Pläne geschmiedet, inklusive Verschleierungstaktik und falscher Fährten (sollte, wie bei Katrin, doch jemand etwas ahnen und nach dem Betreffenden suchen).
Warum Frau Enke die Pressekonferenz gegeben hat? Daran dürften sogenannte Berater ihren Anteil haben… Vielleicht noch ein wenig Rechtfertigungsdruck. Ob es gut und richtig war? Ich sage: Nein!
November 11, 2009 um 19:10
Frau Landgeflüster
Liebe Gina, Deinen Worten ist nichts mehr hinzu zufügen.
November 11, 2009 um 20:07
Renate
In einem anderen Blog hat ein Kommentator den toten Fußballer als „Arschloch“ bezeichnet. Wie man so einen Kommentar stehen lassen kann, ist mir ein Rätsel.
In Deutschland sterben mehr Menschen an Selbstmord als durch Verkehrsunfälle. Über Verkehrsunfälle wird geschrieben, über Selbstmord nur dann, wenn es sich um einen Prominenten handelt. Ansonsten ist Selbstmord ein Tabuthema, wie auch die Themen Tod, Sterben und Trauer. Ich finde das sehr bedauerlich, denn es sind Themen, die uns sehr häufig begegnen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind in den vergangenen Monaten einige Menschen gestorben. Alle relativ jung. Die Hinterbliebenen fühlen sich allein. Wegen dem Verlust, aber auch deswegen, weil sie nicht sprechen dürfen. Weil sie ihre Gefühle nicht äußern dürfen. Weil ja alles so „schrecklich“ ist.
Vielleicht ist Tod, welcher Art auch immer, deshalb so schrecklich, weil er aus unserem ach so fröhlichen Leben ausgeschlossen wird. Obwohl er ja dazu gehört – wie wir alle wissen.
Vielleicht, Gina, sind potentielle Selbstmörder deshalb schon „weg“, weil sie keinen Raum finden für ihre Gedanken und Gefühle. Weil ihre depressiven Gedanken von der Umwelt nicht akzeptiert werden, weil sie hören „ach, morgen sieht die Welt schon wieder anders aus…“
Vielleicht hören wir zu wenig zu. Vielleicht sind wir zu wenig aufmerksam. Vielleicht hören wir die leisen Töne nicht. Vielleicht … vielleicht … vielleicht …
Rational werden wir die Fragen nicht beantworten können. „Man sieht nur mit dem Herzen gut …“ sagt der Kleine Prinz.
November 11, 2009 um 20:45
Frau Landgeflüster
Das ist ja furchbar. So respektlos! Unglaublich.
Um so mehr freue ich mich über Deine ausführlichen Gedanken hier bei mir, die uns allen sicher viele Denkanstöße geben. Vielen lieben Dank dafür.
November 11, 2009 um 21:37
Gina
In den Kommentaren zu meinem Blogbeitrag steht ähnliches geschrieben. Soll ich es zensieren? Nein, das will ich nicht, denn es drückt echte Gefühle aus – zugegeben: mit drastischen Worten. Aber nicht Jede/r ist in der Lage, welche zu finden, die edler klingen. Ich habe dieses böse Wort auch schon verwendet, ganz konkret im Zusammenhang mit Katrins Selbstmord (ebenfalls „mithilfe“ eines Zuges). In meiner Wut und Verzweiflung hatte ich keine anderen Worte mehr. Und ich habe sie auch heute, ein halbes Jahr später, noch nicht. Es gibt keine…
Der Sinn hinter diesen Worten in meinem Blog (es ist ja nicht nur das eine geschrieben worden) ist es wert, es so stehen zu lassen. Außerdem hoffe ich aus guten Erfahrungen heraus, dass die anderen Kommentatoren sich äußern, wenn ihnen ein Beitrag aufstößt. Dazu und zu Diskussionszwecken ist die Kommentarfunktion schließlich auch da. Zensur würde das Ganze irgendwie ad absurdum führen, finde ich.
November 11, 2009 um 22:07
Frau Landgeflüster
Ich finde die Betitelung „A….loch“ grundsätzlich respektlos. Und ich finde sie daher auch in diesem Zusammenhang nicht für angebracht.
Ansonsten finde ich die Zensur von Kommentaren auch nicht gut, hätte aber doch klar geantwortet, dass ich diesen Kommentar daneben finde. Hast Du aber vielleicht ja auch getan. Ich wusste nicht, dass der besagte Kommentar bei Dir stand. Als ich Deinen Eintrag las, war er noch nicht da.
Ich denke, bei so einem Thema muss man sowieso ganz vorsichtig sein. Es ist einfach schwer, die richtigen Worte zu finden. Sie werden so leicht missverstanden.
November 11, 2009 um 22:06
Renate
Wer keine anderen Worte findet als Beleidigungen, sollte still sein.
November 12, 2009 um 8:31
Sven
Man kann mit wohlgewählteren Worten beleidigen – viel stärker und viel nachhaltiger! Wären diese Menschen alle still, wäre es schön ruhig auf dieser Welt.
Ich finde den Kommentar in seiner Aussage richtig und finde gut, dass Gina den Kommentar stehen lassen hat.
Im übrigen steht es jedem frei, der sich beleidigt fühlt oder nicht einverstanden ist, einen entsprechenden Kommentar am rechten Ort dazu zu schreiben. Wer das nicht tut oder will, sollte sich auch nicht an anderen Orten dazu äußern. Wenn wir schon bei Verhaltensregeln sind…
Herzliche Grüße von einem Stammleser – hier und „drüben“.
Sven
November 12, 2009 um 8:38
Frau Landgeflüster
Hallo Sven,
Diskussion, Meinungsaustausch, das ist der richtige Weg. Da hast Du Recht. Mit Respekt.
Liebe Grüße.
November 12, 2009 um 13:11
Suse
Mich hat die Nachricht über den Selbstmord betroffen gemacht. Aber das ist bei jedem Selbstmord, von dem ich höre, so. Unabhängig davon, wie bekannt oder unbekannt der Mensch war.
Ich finde es einfach unendlich schade, dass der jeweilige Mensch keinen anderen Weg finden konnte.
Aber das Recht auf freie Entscheidung möchte ich keinem absprechen.
Und bei solchen Selbstmorden gehen meine Gedanken sofort zu den Zugführern. Sie wissen was passieren wird und dass sie es nicht verhindern können. So sehr sie es sich auch wünschen. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Auch ich habe vor einigen Jahren eine Dokumentation über Zugführer gesehen, die das schon einmal oder auch leider schon mehrfach miterleben mussten. Sie sind oft krank und arbeitsunfähig geworden. Konnten nicht mehr damit leben.
Was die Anwesenheit der Witwe bei der gestrigen Pressekonferenz bin ich noch zwiegespalten.
Zum einen denke ich, dass es wichtig ist, das Thema Depressionen aus der angestbeladenen und oft falsch verstanden Ecke hervor zu holen. Und ich finde es mutig, dass Frau Enke es gemacht hat. Sie wird sich vielleicht wünschen, sie hätte es eher getan. Ich kenne auch nach der Reha zu viele Menschen, die Angst haben, über ihre Depressionen zu reden und dann vielleicht gerade im Beruf schlechtere Chancen zu haben. Einige haben sich lieber Urlaub für die Reha genommen, als dass sie ihren Arbeitgebern die Wahrheit gesagt haben.
Man kann ein Meister der Vertuschung werden, wenn man unter Depressionen leidet. Leider.
Zum anderen sehe auch ich die Effekthascherei der Medien.
Mein Kind hat einen solchen Selbstmord schon einmal an der Schule erlebt. Ein Lehrer, den sie sehr gemocht hat, hat sich auf die Gleise gekniet und sich von einem Zug überrollen lassen. Eine halbe Stunde vorher saß er noch mit meinem Kind und zweien ihrer Freunde zusammen im Zugabteil und hat die Jugendlichen, für die er sich immer unheimlich engagiert hat, darin bestärkt, ihren Weg zu gehen. Und er hat ihnen alles Gute gewünscht. Es für die ganze Schule ein schwerer Weg wieder in die „Normalität“.
Jetzt habe ich so viel geschrieben. Aber das Thema Depressionen betrifft mich zu sehr.
November 12, 2009 um 16:38
Gina
Liebe Suse,
ich kenne das leider sehr gut, das mit dem „Weg“. Ich gehe meinen und bin fest überzeugt davon, das richtige zu tun. Katrin ging ihren Weg (Der Tod war ein absolut gangbarer Weg, eine echte Alternative für sie!) und war ebenso überzeugt davon, das richtige zu tun. Das wusste ich schon länger…
Dass ich diesen Weg, den in den Tod, bei einem (vermeintlich) gesunden Menschen wie Katrin als kritikwürdig empfand, dass ich zu spät erkannte, dass ihre Rationalität vorgetäuscht war, sie ein Doppelleben führte, ist heute mein Problem, mit dem ich zu leben versuche.
Normalität? Nein. Nicht mit diesem Trauma. Nicht mit dem Gedanken an das, was Katrin sich und anderen Menschen angetan hat, nicht mit dem Wissen, was von Katrins Körper übrig geblieben ist. Das überlagert einfach zu viel…
Und zu Enke: Was wissen wir schon von? Nichts. Allen jenen, die jetzt kluge Kommentare abgeben würde ich gern ins Gesicht schreien: WARUM VERSTEHT IHR ERST JETZT? WARUM NICHT SCHON VORGESTERN??? Aber das wäre vielleicht auch ungerecht. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn man Ahnungen hat, die nicht greifbar sind, und Fragen, denen ausgewichen wird.
Ich könnte endlos weiterschreiben… Aber es ändert nichts. Leider.
Passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf!
Gina
November 15, 2009 um 19:02
Birgit
Ich hatte es Dienstag abend schon gehört. Zuerst nur durch die Verkehrsnachrichten, das an der Stelle wieder mal was passiert ist, das war kurz nach 19 Uhr. Gegen 20.30 Uhr dann die Stellungnahme das es R.E. gewesen ist.
Ich bin kein Fußballfan, aber wie arm muss unsere Gesellschaft schon sein, wenn man noch nicht mal zugeben darf, das man krank ist? Ich selbst bin in Behandlung und mir hilft es. Ich gehe mit dieser Krankheit offen um, stoße teilweise auf Unverständnis, aber das interessiert mich nicht.
Liebe Grüße
Birgit
November 16, 2009 um 11:28
Iris
Ein paar unsortierte Gedanken dazu:
Ich kann über diesen Fußballer nichts sagen. Ich kannte ihn nicht.
Doch ich weiß, was Depressionen sind, denn ich habe selbst schon zwei längere depressive Phasen durchgemacht. Wer aus diesem tiefen schwarzen Loch nicht wieder herausfindet, für den ist jeder Tag eine unbeschreibliche Qual. Und von all den Lebenden, die meinen, sie hätten etwas über Selbstmord zu sagen, würde ich mir viel eher wünschen, sie würden mal etwas über IHRE depressiven Phasen sagen und damit einigen, die noch drin stecken zeigen, das sie erstens mit ihrem Leiden nicht allein sind, sich nicht dafür schämen und es verstecken müssen und dass es zweitens einen anderen Ausweg als den Tod gibt.
Laut depression.de leidet jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer Depression. Und 10-15% davon nehmen sich das Leben.
Ich kannte zwei Menschen persönlich, die ihr Leben selbst beendeten. Und ich bin noch heute traurig darüber, dass ich ihnen nicht mehr sagen konnte, wie gern ich sie hatte und wie wertvoll ihr Dasein für mich war. Ein „Arschloch!“ geht vielen leicht über die Lippen. Aber wie oft sagt man einander, dass man sich schätzt?
Herzliche Grüße und eine gute Woche,
Iris