Heute hatten wir wieder Zeit und Lust, einen weiteren Gutschein einzulösen.

Geplant war die Einlösung schon im Dezember, denn traditionell isst der Michelmann Baumkuchen nur in der Adventszeit. Er liebt Baumkuchen, aber nur den hochwertigen aus Salzwedel. Früher hatte ich einen Kollegen aus Salzwedel, bei dem ich jedes Jahr vor unserem Weihnachtsentstressungsurlaub einen Baumkuchen bestellte. Dieser Kollege hatte uns aber im vorletzten Jahr verlassen und so entstand die Idee für diesen Gutschein. Im Dezember fehlte uns die Zeit dorthin zu fahren, denn unser Weg führte uns nach Paris und Frankfurt.
Salzwedel habe ich erst zweimal zuvor gesehen. Einmal kurz nach der Grenzöffnung und ein weiteres mal vor ungefähr acht Jahren. Bei meinem zweiten Besuch war ich ziemlich enttäuscht. Einerseits waren einige Häuser und Straßenzüge wunderschön hergerichtet und renoviert. Es gibt nämlich viele tolle Fachwerkhäuser, die es auch wirklich verdient haben, als Kulturdenkmäler herzuhalten, wie Sie auf meinen heutigen Fotos erkennen können.

Gleichzeitig waren die Kontraste in dieser Stadt so unglaublich krass. Viele verfallene und kaputte Häuser. Damals war ich ziemlich enttäuscht, dachte ich doch, die Zeit seit der Wende und die Aufbruchstimmung in unserem Lande hätten gereicht, den ganzen Stadtkern komplett wieder herzurichten. Wurde nicht immer in der Presse darüber berichtet, wie viele Gelder für den Aufbau Ost geflossen sind? Deshalb war ich wirklich gespannt, wie es heute, acht Jahre später, in Salzwedel aussieht. Und, was soll ich sagen? Ich bin maßlos enttäuscht. Die kaputten, verfallenen Häuser gibt es noch immer. Okay, damit hatte ich auch gerechnet, schließlich ist jede Stadt und Kommune pleite. Allerdings weiß ich nicht mehr, ob sie damals schon so verfallen waren:

Viel schlimmer aber ist die Verschmutzung, besonders an den schönen, renovierten Häuser. Überall Schmiereien auf Wänden und Türen. Ganz furchtbar. Ich werde nie verstehen, warum Menschen so etwas tun. Fotos habe ich keine davon gemacht, sie hätten mich nur deprimiert.
Der Einkauf im Baumkuchengeschäft hat uns zum Schmunzeln gebracht. Die Dame im Laden war nicht wirklich kundenfreundlich. Ich finde, wenn Kunden eine nicht ganz billige Ware kaufen, dann dürfte die Verkäuferin gern auch einmal auf 2 Cent verzichten. Jedenfalls, bevor sie ein Drama daraus macht, weil die Kunden keine 2 Cent klein haben und sie nun 98 Cent herausgeben muss. Zumal sie den Kuchen nach Gewicht und keine festausgezeichntete Ware verkauft.
Nach dem Spaziergang durch die Innenstadt sind wir wieder nach Hause gefahren und haben es uns vor dem brennenden Kamin gemütlich gemacht. Das Wetter war sehr wechselhaft und nicht gemütlich. Also genau richtig für einen schönen Film.
Damit bleiben uns noch 18 weitere Gutscheine.


5 Kommentare
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März 14, 2010 um 19:33
Heikeline
Da habt Ihr Euer zweisames Wochenende ja ganz prima verlebt!
Schade, dass Salzwedel wohl nicht so schön zum Anschauen ist – aber der leckere Kuchen hat Euch (hauptsächlich den Michelmann) hoffentlich entschädigt.
Ich vermute, dass die Schmiereien von frustrierten Jugendlichen stammen (Verständnis habe ich natürlich auch nicht für so etwas). Aber wenn zu einer eventuell trostlosen Jugend auch noch eine trostlose Umgebung kommt – s. deine Fotos -, dann ist das wohl nochmal so frustrierend.
Die kleinliche Verkäuferin in der Konditorei ist wahrscheinlich auch gefrustet in Salzwedel;-)!
Jetzt wünsche ich Euch einen schönen gemütlichen Ausklang des Wochenendes und bin mal gespannt auf die Filmvorstellungen.
Ganz liebe Grüße, Heikeline
März 14, 2010 um 19:59
Jana
Das ist so eine schöne Geschichte, denn mein verstorbener Opa hat zu DDR-Zeiten Medikamente ausgefahren und kam somit viel in der DDR herum. Auch er fuhr immer vor Weihnachten nach Salzwedel und hat den echten Baumkuchen (der schon mal 5 Etagen (oder mehr?) hoch werden konnte, also eine richtige Baumkuchenpyramide) für die ganze Familie mitgebracht. Ich weiß noch, der stand dann immer auf dem alten Kleiderschrank im Karton im kühlen Schlafzimmer meiner Oma (dort wo auch die Westschokolade lag
.
Leider war nach der Wende Schluss damit, weil er in Rente ging. Den echten Baumkuchen habe ich seitdem nie mehr gegessen.
Übrigens kannst du mit den letzten Fotos gleich bei der Blogparade “verlassene Häuser” mitmachen
VG Jana
März 14, 2010 um 21:49
GZi
Baumkuchen esse ich auch wirklich sehr, sehr gerne! Hmmm… Die fachwerkhäuser sind iwrklich sehr schön und traurig der Verfall… ähnliches kannst Du aber auch hier im Westen sehen… z.B. war Herr rundumkiel lange in Braunlage tätig und muss da auch heute noch immer mal wieder hin. Vor zwei Jahren habe ich ihn begleitet und war schockiert, wie viel Leerstand, Zerfall und eben Beschmierung es dort direkt an der Hauptstraße gibt!
März 14, 2010 um 22:03
zimtapfel
Aaaah, Salzwedeler Baumkuchen! Kindheitserinnerung!
Oma hat früher immer Westpakete an die Verwandtschaft “nach drüben” geschickt und von dort kam dann regelmäßig zu Weihnachten das jährliche Baumkuchenpaket. Nie wieder hat Baumkuchen später so gut geschmeckt wie dieser.
März 15, 2010 um 6:52
Tine
Der Salzwedler ist eben das Original und so schmeckt er auch wirklich. Leider wirklich nicht ganz billig, deswegen ist der genuss auch hier immer etwas ganz besonderes. Ich hab in diesem besonderen Fall das Glück, daß die Salzwedler in Magdeburg ein Filialchen haben und mein Kind für ihr Leben gern Baumkuchen schleckert.
Die verlassenen und vor sich hingammelnden Häuser haben ganz oft ein Problem mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen und ich finde, hier muß die Politik echt aus dem Knick kommen. Wir hatten hier seit kurz nach der Wende ein Kaufhaus stehen, als sich der Mieter wieder zurückzog. Seitdem stand das Ding leer. Ein hübsches, altes Gebäude, die Stadt suchte nach dem ehemaligen Eigentümer und fand ihn in Südafrika. Um dieses Gebäude wurde ein einziger Hype gemacht, da es vor dem 2. Weltkrieg in jüdischem Besitz war. Man riss es also nicht ab, man sanierte es aber auch nicht, weil der ehemalige Eigentümer (nach der Wende wurden ja bekanntlich Häuser teilweise rückübereignet.) Der Herr bzw. die Nachfahren konnten sich aber nicht dazu entschließen, das alte hübsche Kaufhaus wieder auf Vordermann zu bringen und ihm wieder Leben einzuhauchen. Schlussendlich einigte man sich (keine Ahnung, ob und wieviele Euros flossen). Die Stadt übernahm das Ding und riss es ab. Für mich auch nicht die Ideallösung, aber Bürgermeinungen interessieren ja eh oft wenig. Es gibt noch eine andere Geschichte, die erzähl ich mal in meinem Blog, eine Geschichte, an der mein Herz noch viel mehr hängt, als am alten Kaufhaus… (huch, sovilel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben…)
Dir nen schönen Montag!