Das ist mein Gedanke seit vorletzter Woche. “Huch”, werden Sie jetzt fragen: “warum denn das? Tai Chi tut Ihnen doch so gut!” Ja, schon. Wenn ich die Zeit und Muse habe, ist es toll. Wunderbar entspannend und gleichzeitig fordernd. Denn die einzelnen Figuren sind teilweise sehr schwer zu lernen. Zwei Arme, zwei Beine und vier Bewegungsrichtungen. Dafür braucht es Konzentration und Ruhe. Und viel Zeit zum Üben. Sie ahnen, was jetzt kommt. Mir fehlen vier Stunden am Tag und damit viel Zeit, zuhause zu üben. Aber gerade für diese richtig schweren Figuren muss ich jeden Tag üben, damit ich sie mir überhaupt bis zum nächsten Training merken kann. Sie glauben gar nicht, wie frustrierend es für mich ist, seit vier oder fünf Wochen beim Training die Wolkenhände zu üben und sie mir jedesmal wieder auf’s Neue zeigen lassen zu müssen. “Nun gut, bleiben Sie doch entspannt”, wird jetzt vielleicht ihre Antwort sein und: “dann brauchen Sie eben ein wenig länger.” Das ist aber so nicht befriedigend für mich und deshalb auch sehr unentspannend. Außerdem ist es inzwischen so, dass aus unserer Anfängergruppe  fast alle aufgehört haben. Nur ein ganz frischer Mitstreiter, der noch ganz am Anfang der Form ist, und eben Frau Landgeflüster sind noch dabei. Die Fortgeschrittenen, von denen ich mir etwas abschauen könnte, sind schon so weit, dass ich da noch nicht mitmachen kann. Vom Anfängeranfänger kann ich mir nichts abschauen und das ist das zweite Doofe. Denn beim Tai Chi braucht es Mitstreiter, auf die man schielen kann, wenn man selbst einen Aussetzer hat. So war es vorher in unser Gruppe und so ist es auch jetzt noch in der Fortgeschrittenengruppe. Nun stehe ich ganz alleine da. Die Trainerin muss sich ja auch um den Anfängeranfänger kümmern und so muss ich eben sehen, wie ich klarkomme. Das ist doof, doof, doof, denn ich weiß, dass ich so auf Dauer nicht weiterkomme. Bis ich soweit bin, mit den anderen mitmachen zu können, wird es noch ganz lange dauern. Das werden Sie verstehen, wenn Sie Tai Chi kennen.

Und wissen Sie, was noch ziemlich blöde ist? Wenn ich nach dem langen Arbeitstag beim Tai Chi ankomme und wir mit den Einstiegsübungen anfangen, meist sind es Entspannungs- oder Meditationsübungen, dann merke ich erst, wie anstrengend der Tag war und wie schwer ich mich auf die Übungen konzentrieren kann. Es ist, wie es ist: ich fühle mich in den letzten Wochen nicht mehr so gut vor, während und nach dem Tai Chi. Und so habe ich dem Michelmann heute morgen gesagt, dass ich mich nach dem Training entscheiden werde, ob ich aufhöre oder nicht. Wenn ich auch diesmal mit einem schlechten Gefühl das Training verlasse, werde ich mich abmelden.

Beim Training habe ich meiner Trainerin gesagt, wie schwer es für mich ohne gleichwertige Trainingspartner ist und vielleicht hat sie auch in den letzten Wochen schon gemerkt, dass ich nicht mehr mit Herz und Seele dabei bin. Jedenfalls hat sie Verständnis gezeigt und sich ganz viel Zeit für mich genommen. Hat mir die Übung noch und nöcher gezeigt, bis es in meinem Kopf klick gemacht hat. Jetzt habe ich den Ablauf endlich begriffen. Endlich!  Jetzt fehlt natürlich noch der Feinschliff und gerade jetzt habe ich leider wieder zwei Wochen Pause. Also muss ich gucken, was ich bis dahin noch von den Wolkenhänden behalten habe. Aber immerhin ahne ich, dass ich in drei Wochen wohl auch wieder zum Tai Chi gehen werde, und das ist doch auch schon ein kleiner Erfolg.