Wie Sie bereits wissen, ist Frau Landgeflüster immer sehr an Verhaltensmustern und Denkweisen ihrer Mitmenschen interessiert. Sie hat auch bereits die ein oder andere wissenschaftliche Studie zu bestimmten Themenveröffentlicht (die verlinkten Einträge sind zwei Beispiele zur Auswahl). Für die Erforschung ihrer Studienobjekte ist Frau Landgeflüster keine Aufgabe zu schwer und keine Forschungsgebiet zu gefährlich. Das ist bekannt und deshalb wird Frau Landgeflüster oft und gern gebeten, eben diese wichtigen wissenschaftlichen Studien vorzunehmen.
Der aktuelle Forschungsauftrag:
Wie reagieren Menschen, wenn sie an Fenstern vorbeikommen, die nicht von oben bis unten mit Gardinen verhangen sind? Gibt es spezifische Unterschiede bzw. Auffälligkeiten zwischen verschiedenen möglichen Bevölkerungsgruppen?
Vorbereitung der Studie:
Die erste Aufgabe bestand in der Auswahl der teilnehmenden Forschungsobjekte und einer Räumlichkeit, die perfekte Bedingungen für diese Untersuchung bietet. Wie Sie es von Frau Landgeflüster gewohnt sind, hat sie sich auch für ihre aktuelle Forschungsarbeit auf ganz gefährliches Terrain begeben:

Nach exaktem Abwägen aller Vor- und Nachteile hat sie sich ein Forschungslabor mit modernstem und technisch aufwendigstem Standard errichtet. Mögliche Probanden wurden eingeladen, an dieser Studie teilzunehmen. Die Auswahl dieser Teilnehmer erfolgte nach dem Zufallsprinzip, nachdem sie nacheinander diese Schaukästen passierten:

Die Dauer der Studie:
Verschiedene Zeitintervalle an unterschiedlichen Tagen und Tageszeiten.
Das Ergebnis der Studie:
Es gibt durchaus Unterschiede, wie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf blickfreie Fenster reagieren. Hier eine kurze Zusammenfassung:
- Kinder bis 12 Jahre unabhängig vom Geschlecht: keine Reaktion zu erkennen
- Jungs zwischen 12 und 16 Jahren: bleiben unverändert wild und laut bzw. desintressiert und schlurfend
- Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren: nutzen die Fensterscheiben als Spiegel, bleiben stehen, korrigieren ihre Haare und drehen sich auch schon einmal, um zu überprüfen, wie sie von hinten aussehen.
- Jungs ab 16 Jahren: werfen einen prüfenden Blick auf ihr Äußeres, gehen dabei aber weiter
- Mütter mit Kindern, unabhängig vom Alter: bleiben stehen, sobald ihre Kinder ihnen Gelegenheit dazu geben und starren interessiert ins Fenster, es ist nicht zu erkennen, ob sich ihr eigenes Äußeres oder das Zimmer dahinter erkunden wollen.
- Männer mit Kinder, unabhängig vom Alter: lassen sich kurz von der Blickfreiheit locken, gehen aber nach einem kurzen Blick weiter
- Frauen mit Einkaufstaschen oder Ehemann an der Hand: versuchen angestrengt zu erhaschen, was sich hinter der Scheibe befindet, bleiben dafür auch schon mal stehen (die mit Einkaufstasche) bzw. drehen sich meistens auch noch einmal um (die mit Ehemann)
- Männer, unabhängig davon, ob allein oder mit Einkaufstasche bzw. Ehefrau: schauen kurz, gehen aber nach einem kurzen Blick weiter
- Fahrradfahrer, unabhängig von Alter und Geschlecht: werfen einen kurzen Blick, fahren aber ohne Unterbrechung weiter
Fazit der Studie:
Am blickfreien Fenster macht es Spaß unentdeckt Menschen zu beobachten. Was Sie oder die Menschheit von dieser Studie haben, müssen Sie selbst für sich entscheiden. Mir hat es wie immer Spaß gemacht, meine Energie für die Forschung im Auftrag der ganzen Menschheit zu investieren. Wenn Sie weitere Aufträge für mich haben, gern. Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen.


20 Kommentare
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Mai 24, 2010 um 19:21
Jana
Da wir ein ähnliches Experiment-Fenster haben, muss ich ergänzen:
)
- ältere Damen und Herren (Spaziergänger) ab 50 J. gucken erst einmal an der Klingel wer dort wohnt
- ältere Damen und Herren (Spaziergänger) ab 50 J. steigen über die Blumenrabatte, legen die Hände links und rechts ans Gesicht und legen diese zum Sichtschutz an die Fensterscheibe und gucken durch (dabei kann es passieren, das ich ihnen von Innen zuwinke
- ältere Damen und Herren (Fahrradfahrer) ab 50 J. steigen ab und bleiben prüfend vor dem Fenster stehen
Mai 24, 2010 um 19:27
Frau Landgeflüster
oh…
hm, wahrscheinlich war bei mir die Rahmenbedingungen nicht so günstig wie bei Euch. An die Scheiben kommt niemand, der nicht eine kleine Mauer übersteigt und sich durch die Hortensien zwängt.
Auch das mit der Klingel ist mir noch nicht untergekommen.
Mai 24, 2010 um 21:36
Jana
leider sind die großen Hortensien bei uns kein Hindergrundsgrund.
Mai 25, 2010 um 18:22
Frau Landgeflüster
na, das ist ja wirklich heftig. In unserem Dorfe sind die Menschen glücklicherweise nicht so aufdringlich.
Mai 24, 2010 um 20:10
tonari
Ich kann zur Studie leider nichts beitragen.
Grünfinken, Spatzen und Meisen ausgenommen. Und selbst die musste ich anfüttern
Wir haben in der dritten Etage zwar auch keine Gardinen vor den Fenstern, aber es kommt einfach niemand vorbei
Mai 25, 2010 um 18:23
Frau Landgeflüster
Mai 24, 2010 um 21:06
Tine
Mein Erfahrungsstatus hat zu berichten, wenn die Mutti des Hauses den Hereinglotzenden (trotz Heckentrennung) von den Couch zuwinkt, winken sie zurück. Auch ne nette Geste!
Mai 25, 2010 um 18:24
Frau Landgeflüster
Wenn ich im Kaminzimmer sitze, passiert das auch. Aber in meinem Zimmer steht das Sofa so weit weg vom Fenster, das man es nur sehen kann, wenn Licht an ist.
Mai 24, 2010 um 22:21
GZi
Bei mir bleibt man gerne vorm Haus für ein Schwätzchen stehen und guckt dann immer mal wieder prüfend herein, ob ich auch fleißig weiter am Schreibtisch sitze – wie gut, dass niemand erkennen kann, was auf dem PC ist. Gucke ich raus und lächle, wird schnell weggeschaut, es sei denn es sind gute Bekannte, die erwarten, dass ich dann möglichst an die Tür komme und auf einen Kaffee hereinbitte. Deshalb schaue ich – vor allem ,wenn ich Zeitdruck habe – gar nicht aus dem Fenster, was sich dort tut …
Mai 25, 2010 um 9:38
Landgefluester
Da ich auf dem Sofa nicht zu erkennen bin, gab es noch keinen Kontakt. Das mag in der dunklen Jahreshälfte anders werden, wenn öfter Licht brennt.
Mai 25, 2010 um 7:32
Pfingsten am Montag « Landgeflüster
[...] Michelmann noch schlief, habe ich einen Kuchen gebacken und nach dem Frühstück die meiste Zeit studierenderweise lesenderweise in meinem Zimmer [...]
Mai 25, 2010 um 8:04
Frische Brise
Ich kucke mir gerne die Einrichtung anderer Leute an und schaue ganz unauffällig in die Fenster
Mai 25, 2010 um 9:21
Landgefluester
Das mache ich auch gern. Besonders in der Weihnachtszeit.
Mai 25, 2010 um 12:51
Marina
Bei uns darf auch geguckt werden, wird auch oft allerdings nur kurz weil Labradorhündin guckt knurrend/fletschend zurück…………….. hat was so ein Wachund *lach* aber ich gucke auch gern bei anderen Leuten, nicht weil ich neugierig bin sondern nur um sehen wie andere wohnen *gg*
Lieben Gruß
Marina
Mai 25, 2010 um 18:27
Frau Landgeflüster
Ich gucke auch ganz gern, allerdings immer ganz unauffällig und ohne mich umzudrehen oder stehen zu bleiben.
Mai 25, 2010 um 13:41
zimtapfel
Ich gestehe, ich linse auch wahnsinnig gern durch so unbevorhangte Fenster. Ich sehe mir einfach gern an, wie andere so wohnen… Allerdings bemühe ich mich immer sehr, nicht so lange und aufdringlich hineinzustarren, ich will damit ja schließlich niemanden nerven. Nur mal so ein kurzer Seitenblick im Vorbeigehen.
Ich habe sowieso und komischerweise nicht erst, seit ich auf Wohnungssuche bin, die komische Angewohnheit, mir überall, wo ich hinkomme, die Häuser anzusehen und in Kategorien einzuteilen: Würde ich gern drin wohnen wollen, würde ich möglicherweise vielleicht drin wohnen wollen, würde ich auf gar keinen Fall drin wohnen wollen.
Mai 25, 2010 um 18:28
Frau Landgeflüster
mir geht es genauso: mal gucken, ob es was zu sehen gibt und wenn nicht, dann nicht. Aber nicht starren oder umdrehen und zurückgehen.
Mai 25, 2010 um 16:43
schrecklichschoenesleben
Ich mache das auch, in Anderleuts Fenster gucken. Am liebsten in Holland, wo es scheinbar doch mehr Menschen in die Wiege gelegt ist, es nett einzurichten und wo es auch üblich ist, keine Scheibengardinen oder Vorhänge zu haben.
Bei mir wird auch ab und an reingeschaut, dann aber mit Absicht. Weil dafür muss man entweder in etwa zwei Meter groß sein oder aber sich auf die Zehenspitzen stellen.
Liebe lFF, ich finde es bemerkenswert, wie genau Du bei Deinen empirischen Erhebungen arbeitest. Großartig.
Mai 25, 2010 um 18:29
Frau Landgeflüster
es war ganz schön anstrengend, auf dem Sofa zu liegen!
Mai 25, 2010 um 23:09
Alexandra Franke
Ich gebe zu, dass ich auch soooo gerne mal einen kurzen Blick, besonders in andere Wohnzimmer werfe, aber immer ganz unauffällig! Und wie meine Vorgängerin schon schrieb, kann man in Holland ganz wunderbar spinxen ( schreibt man es so?), sogar durch mehrere Räume hindurch, ganz KLASSE! Deshalb bummel ich auch so gerne durch holländische Städtchen!