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Heute ist es so herbstlich, wie es herbstlicher nicht sein kann. Kalt, grau, regnerisch, windig. Puh, ich habe ganz schön gefroren, obwohl ich meine Winterstrumpfhose, Stiefel, Wollstulpen, meinen fetten Winterparka, Schal, Handstulpen und Mütze anhatte. Auf der Heimfahrt schien zum erstenmal die Sonne und zwischendurch erschien der wohl schönste Regenbogen am Himmel, den ich je gesehen habe. So satte Farben, als hätte ihn jemand auf den Himmel gemalt. Das sind die Momente, an denen ich mit weitaufgerissenen Augen in den Himmel starre und mich einfach nicht sattsehen kann an der Schönheit der Natur.
Zuhause habe ich einen kleinen Spaziergang durch den Garten gemacht, bevor mich der nächste Schauer ins Haus lockte. Am Montag war ja mein obligatorischer Gartentag. Da ich später als erwartet nach Hause kam, bin ich natürlich nicht mehr in die Beete gestiefelt. Aber der Michelmann hat den Garten schön gezaubert. Der Rasen sieht aus wie grüner samtener Teppich und verleiht dem Garten einen äußerst gepflegten Eindruck. Meine Aufgabe am Gartentag bestand also nur darin, mich über diesen wunderschönen Anblick zu erfreuen. So also auch heute. Und wenn wir schon von meinen Mottotagen sprechen, kann ich auch zugeben, dass ich meinen Haustag auch nicht sehr hausfräulich verbracht habe. Dafür hat der Michelmann ja die Kellertür ausgebaut für Martha, die heute in unser Leben getreten ist. Ein Rasseweib! Ich freue mich schon auf ihren Einsatz.
Meinen Schönheitstag werde ich selbstverständlich selbst wahrnehmen. Nach dem Abendessen. Der Michelmann kann Fußball gucken und ich werde mir ein Bad gönnen, eine Gesichtsmaske und natürlich eine Haarkur. Vielleicht löst der Michelmann ja sogar seine Wettschulden von gestern ein (hahaha!) und spendiert mir ein kleines Gläschen Sekt in der Wanne. Kleiner Spaß, das brauche ich nicht. Ich bin nämlich keine Langbaderin. Also keine 25343 Kerzen um mich herum, Champagnerglas und schwimmende Blütenblätter im Badewasser, so wie die Ladys im Fernsehen das immer so machen. Ich weiß ja nicht, wie die das machen, aber mir wird das Badewasser nach 20 Minuten viel zu kalt und meine Haut viel zu schrumpelig. Vielleicht mache ich etwas falsch. Was meinen Sie?
Während ich dies schreibe und nebenbei auf mein Essen warte (Luxusweib, ich weiß), liege ich im Kaminzimmer vor dem nicht brennenden Kamin auf dem Sofa unter meiner kuscheligen Winterdecke. Irgendwie ist mir heute kälter als sonst. Auch hier im Haus. Leider habe ich auch schon wieder Hals. Das ist doof. Aber eben Herbst. Und jetzt, wo ich immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, in denen ständig und überall gehustet und geniest wird, ist das wohl normal. Schade, den Erkältungen hatte ich sonst so gut wie nie.
So, nun ruft mich der Michelmann. Und deshalb winde ich mich jetzt aus meiner Decke… Machen Sie es fein!
(Übrigens duftet es hier ganz toll. Frau Landgeflüster hat nämlich einen Butterkuchen gebacken. Für die lieben Kollegen in der großen Stadt. Einfach so. Weil ich so gerne mit ihnen zusammenarbeite. Damit habe ich meinen freitäglichen Küchentag vorgezogen!)


Ihr Geflüster