• Seit gestern streiken die blau-gelben Bummelzüge im Norden. Die benutze ich nur, wenn die Doitsche Barn streikt oder aus irgendwelchen anderen Gründen ausfällt. Ein blau-gelber Lokführer streikte nicht mit und fuhr verspätet aus der großen Stadt in die Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes. So blieben mir 45 Minuten Wartezeit auf den ganz schnellen Zug erspart und ich war 20 Minuten eher zuhause.
  • Für die Verspätung dieses Bummelzuges waren geklaute Oberleitungen verantwortlich. Diesen Grund habe ich im letzten Jahr öfter gehört. Schon immer habe ich mich gefragt, wie kann man am hellichten Tage Oberleitungen klauen?
  • Zum ersten Mal habe ich mitbekommen, dass ein sich schlafendstellender Reisender “geweckt” wurde und keinen Fahrschein dabei hatte. Die Ausreden waren schlecht und die schlechtgelaunte Zugbegleiterin gnadenlos.
  • Die blau-gelbe Zugbegleiterin war danach so schlecht drauf, dass ihr andere Mitreisende erst einmal ihren Job erklären mussten. Verspätung und Streiks der anderen Züge haben sie wohl überfordert. Unfreundlichkeit, Unwissenheit und Ungeduld passen einfach nicht zu diesem Job. Noch nie habe ich so viele sich bis dato unbekannte Reisende unterhalten hören.
  • Lesen konnte ich dabei nicht, aber ich habe aus dem Fenster geschaut und Wolken beobachtet.
  • Weil die Zugbegleiterin keine Ahnung hatte, half ich einer verzweifelten Reisenden mit Auskünften aus der Bahn-App des IwiPhones aus. Die einzige App, die ich jeden Tag nutze. Ich habe natürlich keinen schnellen Anschlusszug für sie in meinen Heimatbahnhof gezaubert. Das brauchte ich auch nicht, denn der fährt sowieso planmäßig in die schönste Stadt Deutschlands. Aber immerhin konnte ich sie beruhigen, dass sie pünktlich zu ihrem ganz wichtigen Termin kommen würde, trotz Streik der Bummelbahnen. Die Mitreisende war so erleichtert und hat sich so gefreut, dass ich mich auch gefreut habe.
  • Im Bahnhof in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes herrschte Chaos. Richtig Chaos. Stau auf allen Bahnsteigen, aber auch auf der Zufahrtsstraße zum Bahnhof. Aber weil der Michelmann pfiffig ist, hat er die richtigen Lücken gefunden und ich konnte ins fahrende Auto springen. So kamen wir ganz fix wieder weg.
  • Das war eine lustige Zugfahrt. Jedenfalls für mich als Unbeteiligte. Morgen fahre ich dann wieder mit dem ganz schnellen rot-weißen Zug. Mal gucken, ob es da auch mal wieder ein erwähnenswertes Zuggeflüster gibt.