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Heute war ich lange in der großen Stadt. Länger als sonst an meinen langen Donnerstagen. Ich habe nämlich glücklicherweise kurz vor dem Feierabend in das Internet geschaut, ob mein Zug denn auch pünktlich fahren würde. Dort las ich, dass ein Oberleitungsschaden ausgerechnet meinen Zug 35 Minuten außerplanmäßig halten liess. Nun gut, dachte ich mir, das Wetter ist schlecht und Überzeit kann ich immer gebrauchen, also bleibe ich die 30 Minuten länger im Büro. Ist doch schöner, entspannt zu arbeiten, als im Regen auf dem Bahnsteig zu stehen.

Das Foto, das ich Ihnen letztens mitgebracht habe, ist leider sehr unscharf. Aber vielleicht erkennen Sie ja trotzdem, warum ich so schmunzeln musste.

Gestern auf dem Bahnhof ist mir auch etwas Lustiges passiert. Ich spazierte leicht in Gedanken versunken durch den Bahnhof und schaute mir die Schaufenster an. Kurz vor der Treppe zu meinem Bahnsteig blickte ich geradeaus und sah vier Polizisten in etwa 10 Metern Entfernung direkt auf mich zu laufen. Einer von den Polizeimännern griff sich sogar an die Seite, da wo die Pistole hängt. Ich erschrak mich kurz, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich keine Mörderin oder Terroristin bin. Also bin ich ganz lässig weitergegangen. Knapp vor mir trennten teilten sich die Vier in zwei Gruppen und liefen links und rechts an mir vorbei.

Wohin und warum die vier Ordnungshüter überhaupt so rannten, kann ich Ihnen nicht verraten. Ich habe mich selbstverständlich nicht umgedreht und bin hinterher gelaufen. Es konnte ja sein, dass im Bahnhof der großen Stadt gerade ein neuer Tartort mit der hübschen norddeutschen Kommissarin gedreht wird. Und da wäre ich ja schön blöd, wenn ich ausgerechnet die Szene versaue, in der eine große, blendend aussehende Blondine lässig durch die Bahnhofshalle schreitet. Gleichzeitig war ich mir sicher, dass die Polizisten im Ernstfall auch ohne meine Hilfe klar kommen würden. Schließlich hatten sie ihre Waffen dabei und ich nicht.

Gestern hat der Michelmann mich direkt vom Bahnhof in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes entführt und mich ins Lieblingscafé geschleppt. Es ist Erdbeerzeit und weil wir uns auch in nicht ganz so fröhlichen Tagen etwas Schönes gönnen möchten, musste es eben ein Stück Erdbeertorte sein.

Auch heute hat der Michelmann mir eine riesige Freude gemacht. Er hat sich weiter  um das Gartenwohnzimmer gekümmert und die Dachbalken gestrichen. Ein Foto vom fertigen GWZ kann ich Ihnen heute nicht zeigen, weil es schon die ganze Zeit ganz heftig regnet und ich warm auf dem Sofa sitze und Tee schlürfe.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. ♥ Fein, dass Sie mich auch heute wieder besucht haben.

Gestern bin ich gar nicht mehr zum Schreiben gekommen. Dabei wollte ich Ihnen doch davon berichten, wie es war, als vier Polizisten auf mich zustürmten. Und wie sehr ich mich gefreut habe, dass der Michelmann ausgerechnet mich vom Bahnhof abgeholt hat und ins Lieblingscafé entführte. Ich erzähle es Ihnen heute Abend und dann zeige ich auch endlich das versprochene Foto aus dem Zug. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen.

~Guy de Maupassant~

Genieße den Augenblick, denn der Augenblick ist dein Leben.

~japanische Weisheit~

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