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Hoffentlich haben Sie den Sturm schadlos überstanden und sind auch wieder gut zuhause angekommen. Ich hatte das große Glück, dass mein Nachmittagstermin ausgefallen ist. So konnte ich wie immer mit dem Zug um zwanzig vor zwei in die Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes fahren. Es war wohl der letzte Zug, der die Kleinstadt pünktlich erreicht hat. Danach musste ich vierzig Minuten auf den Bus warten, der mich in unser Dorf bringt. Hätte der Nachmittagstermin stattgefunden, wäre ich gemeinsam mit dem Michelmann nach Hause gefahren. Ich hätte mir natürlich das Auto wegholen und den Michelmann später abholen können, aber das wollte ich wegen des Sturms nicht.

Es hat zwar geregnet, aber ich bin trotzdem spazieren gegangen. Frische Luft und Bewegung sind ja an jedem Tag wichtig und nicht nur bei Sonnenschein. Da ich auf dem Weg ins Büro und nach der Arbeit beim Spaziergang zur Straßenbahn nass wurde, machte das dritte Mal nun auch nichts mehr. Dafür habe ich aber auch dieses Schaufenster gefunden, das ich Ihnen gern zeigen möchte.

Schaufenster in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes

Ostern steht vor der Tür. Eindeutig! Obwohl die Dekoration auch gut zu dem heutigen Wetter passt. Bei uns hat es nämlich heute früh geschneit. Ich musste die Scheibe meines Smarties erst einmal vom Schnee befreien.

Zuhause habe ich mir erst einmal eine Tasse Kaffee gekocht, die ich unter meiner Decke auf dem Sofa zu mir genommen habe. Unsere Heizung war nämlich ausgefallen und deshalb habe ich gefroren. Erst als ich zuhause war, wurde es bei uns richtig stürmisch. Deshalb habe ich zwischendurch im Internet nachgeschaut, was der Sturm zugtechnisch angerichtet. Chaos pur in Niedersachsen! Alle Nachmittagszüge aus meiner großen Stadt in den Norden haben zwei oder drei Stunden Verspätung, einer sogar über vier Stunden. Ich hoffe, dass meine Mitreisenden gut nach Hause kommen. Sie werden alle spät zuhause sein, falls sie nicht schon um drei Feierabend machen konnten.

Bei uns im Garten hat der Sturm glücklicherweise keinen großen Schaden angerichtet. Der Wind hat den fast zwei Meter großen Schrank, der an der Wand festverankert war, mitgerissen. Meinen Gartentrolly hat eine Böe einige Meter durch die Luft gewirbelt, obwohl er geschützt unter dem Anhängerstand. Auch der Deckel der Regentonne und zwei massive Holzhocker haben fliegen gelernt. Kaputt gegangen ist aber nur eine Laterne, die auf einem der Hocker stand.

Inzwischen hat der Sturm etwas nachgelassen und ich hoffe, das Gröbste ist jetzt überstanden. Der Michelmann hat die Heizung wieder zum Laufen gebracht und deshalb ist es hier bei uns inzwischen wieder gemütlich warm.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend und eine gute Nacht. Und für morgen wünsche ich uns allen einen stressfreien Start in den April. Kommen Sie gut und sicher zur Arbeit. Liebe Grüße, Ihre Frau Landgeflüster.

März 2014

bahnhof

„Du musst jetzt wirklich bald anfangen mit Deinem Buch“, sprachen heute meine Mitreisenden und fügten hinzu: „Sonst vergisst Du noch unsere kuriosen Erlebnisse.“ Hahaha, wenn die wüssten, dass ich meine Anekdoten regelmäßig im Landgeflüster niederschreibe. So auch diese, von unserem verspäteten Start in die Woche.

Auch diese Kuriosität betraf hauptsächlich meine Mitreisenden. Ich selbst war heute mal wieder das Glückspendelschwein. Die Geschichte beginnt im Hause Landgeflüster so: normalerweise schaue ich morgens in mein Mobilfunktelefon, wie pünktlich die Züge am Morgen sind. Heute aber vergaß ich dies. Ich trank wie immer meinen Frühkaffee während unserer morgendlichen Klappbrettrunde. Meistens gewinnt der Michelmann und ganz selten gewinnt einer von uns in der ersten Runde. Heute aber war ich die Siegerin und das gleich im ersten Spiel. Dadurch hatten wir einen etwas ruhigeren Morgen als sonst und so dachte ich auch gar nicht daran, nach den Zügen zu schauen. Als ich meine Jacke schon angezogen hatte, fiel mir ein, dass ich ja gar nicht weiß, ob mein Zug überhaupt fährt. Nachts tobte bei uns nämlich ein gar fürchterlicher Sturm und nach so einem Sturm ist ja alles möglich. 

Tja, und dann las ich hinter meinem Zug „Halt entfällt“ – der Grund: ein umgestürzter Baum. Ups. Der blau-gelbe Bummelzug, der sechs Minuten vor meinem Zug fährt, der sollte pünktlich abfahren. Aber für den war es schon sehr, sehr knapp. Mit Müh und Not hätte ich ihn erreichen können, aber dann hätte keine Bahnschranke geschlossen und keine Ampel rot sein dürfen, und das wäre sehr unwahrscheinlich. Also beschloss ich kurzfristig einen Zug später zu nehmen, also den um Viertel nach sieben.

Bei meinem nächsten Check las ich aber, dass auch dieser Zug nicht in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes halten würde. Also musste ich wohl den Bummelzug zehn vor sieben nehmen. Ich bin darum auch rechtzeitig zum Bahnhof gefahren. Dort wurde ich gleich mit der Ansage begrüßt, dass dieser Bummelzug leider mit einer Verspätung von etwa 30 Minuten losfahren würde. Oh, wie doof, startet er doch in der Kleinstadt vor den Toren unseres Dorfes. Aber nun gut, dann starte ich eben noch ein bisschen später in meinen Tag.

Ich bin also in die menschenvolle Bahnhofshalle spaziert und habe mich auf den einzig freien Sitzplatz gesetzt und angefangen zu lesen. Nach 15 Minuten kam eine weitere Durchsage, dass der Bummelzug nun mit einer Verspätung von 20 Minuten in die große Stadt fahren würde, also in fünf Minuten. Da ich mich nicht gern in Menschenmassen über enge Treppen oder Gänge spaziere, dachte ich mir, dass ich ja schon einmal hinausgehen könnte. Dort fiel mein Blick zufällig auf die Anzeigetafel, auf der die ganze Zeit der Hinweis stand, dass der Zug um Viertel nach sieben ausfallen würde. Aber was war das? Auf einmal tauchte in dem Laufband der Hinweis auf: „etwas 5 Minuten später“. Hä???? Plötzlich und unerwartet? Nun gut, der blau-gelbe Bummelzug ist noch nicht eingefahren, also konnte ich ja auch an diesem Bahnsteig warten und schauen, ob der Zug wirklich gleich einfahren würde.

Und jetzt wird es wieder ziemlich skurril: auf dem anderen Bahnsteig fuhr ein Bummelzug ein. Aber nicht aus der Richtung des Abstellgleises, sondern aus Richtung meiner großen Stadt. Auf dem Zug stand deutlich, dass dies der Zug ist, der über die große Stadt bis nach Göttingen fährt. Das ist ja drollig. Noch mehr gestaunt habe ich, als meine Mitreisenden ausstiegen und kurze Zeit später vor mir standen. Also übernahm ich kurzfristig den Job der Welcome-Managerin und begrüßte sie im Namen der Doitschen Barn auf dem Gleis in Richtung Glück. 

Meine Mitreisenden erzählten mir, dass sie heute Morgen mit einer leichten Verspätung losgefahren wären und nach zwei Stationen wieder zurückgefahren wurden. Der umgestürzte Baum hatte die Oberleitung zwischen dem vierten und fünften Bahnhof zerstört. Der vierte Bahnhof war aufgrund anderer wartender Züge voll belegt, also konnte dieser Zug nicht weiterfahren. Da fragt sich natürlich der interessierte Pendler: Warum wartet der Zug dann nicht am dritten Bahnhof, sondern fährt wieder zurück an den Start? Vielleicht hat das Zugpersonal „Monopoly“ gespielt und der Zugführer die Karte gezogen: „Gehen Sie zurück zum Start. Gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie keine 2000 Mark ein.“ Wir werden den Grund wohl nie erfahren. 

Aber immerhin kam der rote Zug der Doitschen Barn pünktlich fünf Minuten zu spät, so dass wir alle gemeinsam in die große Stadt fahren konnten. Natürlich beneideten mich meine Mitreisenden wegen meiner gemütlichen Stunde zuhause. Aber glücklicherweise fahre ich nicht mit Meckerköppen und so hatten wir trotzdem eine lustige Fahrt. Die fehlende Stunde habe ich heute gleich nachgearbeitet und sogar noch zwei weitere Stunden. Das passt heute sehr gut, weil auch der Michelmann bis zum frühen Abend die Welt retten muss. Jetzt können wir gemeinsam nach Hause fahren.

So war das heute. Und Sie? Haben Sie den ersten Sturmtag gut überstanden?

Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen.

~Guy de Maupassant~

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~japanische Weisheit~

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